Geschichte  – Wie alles begann

1860 gründete Graf Adelberdt von der Recke –Volmarstein in Kraschnitz nahe Breslau das „Deutsche Samariter Ordensstift“.
Dies war Teil einer großen damaligen Zeitströmung. Graf Adelberdt hatte jahrzehntelange Erfahrung in Düsselthal gesammelt. Nun im Alter, in Kraschnitz, begann er wohl einen Lebenstraum zu verwirklichen. Im Mai 1862 folgte die Gründung der Stiftung Adelberdt-Diakonissen-Mutterhaus (ADM). Mit dem Weckruf Johann-Hinrich Wicherns, beim ersten evangelischen Kirchentag in Wittenberg 1848, hatte eine sozial-engagierte christlich geprägte Bewegung begonnen. Theodor Fliedner legte in Kaiserswerth bei Düsseldorf die Grundlage für das geprägte Amt der Diakonissen und die folgenden Mutterhausgründungen.
Diese Einrichtungen waren Orte der gelebten Gemeinschaft von Diakonissen und boten ihnen Schutz und Ausbildung. Friedrich von Bodelschwingh trieb in Westfalen die Entstehung der diakonischen Einrichtungen in Bethel voran. Viel soziale Not, parallel dazu der Ruf nach fachlicher Qualifizierung, verbunden mit dem Ziel einer gewissen Unabhängigkeit junger Frauen, führte auf der festen Basis christlicher Wurzeln zu zahlreichen Mutterhaus-Gründungen.
Graf Adelberdt von der Recke-Volmarstein wagte sich ans Werk und gründete in Kraschnitz die Stiftung Adelberdt-Diakonissen-Mutterhaus. Es entstanden das Mutterhaus und eine Behinderteneinrichtung. Schnell wuchs die diakonische Arbeit weiter über Krankenpflege zu   Nichtseßhaften-Versorgung, Waisenheim, Kindergarten und einer eigenen Krankenpflegeschule. Kraschnitz wurde das Bethel Schlesiens. Von hier aus wurden weitere Mutterhäuser gegründet oder unterstützt. Dem Nächsten zu dienen, sich selbst mit ganzem Herzen einzubringen und Teil einer christlichen lebensbejahenden Gemeinschaft zu sein, waren die Grundlagen der ganz persönlichen, dauerhaften Lebensentscheidung. Die Zahl der tätigen Diakonissen wuchs stetig, parallel zu den Arbeitsgebieten, bis etwa 1935.
Die verschiedenen Mutterhäuser im deutschsprachigen Raum schlossen sich zusammen zum Kaiserswerther Verband der deutschen Diakonissen-Mutterhäuser e.V. mit dem Symbol der Taube mit dem Hoffnungszweig im Schnabel.
Mit den Wirren des Kriegsendes 1945 gingen die Diakonissen und Mitarbeiter*innen der zahlreichen Einrichtungen ungeordnet auf die Flucht. Über verschiedene Stationen, unter anderem in Dresden und Halle/S., kamen dann zum 01. Oktober 1946 die ersten Schwestern ans Johanniter-Krankenhaus nach Stendal. Schließlich sammelten sich hier etwa 100 Diakonissen des Kraschnitzer Hauses und übernahmen verschiedenste Dienste am Krankenhaus, in der Gemeindediakonie und im evangelischen Kindergarten. So gehörten die Hauben – als traditioneller Teil der Diakonissen-Tracht – fortan zum Stendaler Stadtbild. Die Stiftung Adelberdt-Diakonissen-Mutterhaus fand ihren Sitz nun ebenfalls hier.
Parallel sammelten sich in Mettmann nahe Düsseldorf jene Diakonissen, die nach der Flucht im westlichen Teil Deutschlands angekommen waren. Zwischen beiden Häusern entstand ein regelmäßiger Kontakt und Zusammenhalt, auch über die innerdeutsche Grenze hinweg.

Erste Anfänge der Hospizarbeit in Stendal

1992 ging die letzte der Stendaler Diakonissen in den Ruhestand. Damit fand der aktive Dienst im Krankenhaus ein Ende. Der Dienst aneinander hatte längst begonnen. 1999 zogen die letzten Diakonissen des westlichen Teiles aus Münster/Westfalen ebenfalls nach Stendal. Ein Jahr zuvor, 1998, begann unter dem Dach der Stiftung ADM die Stendaler Hospizarbeit. Es wurden erste Ehrenamtliche Mitarbeiter*innen für einen ambulanten Hospizdienst ausgebildet. Parallel entwickelte sich innerhalb des Mutterhauses die Option über „ausgelagerte häusliche Pflege“, um Menschen in der letzten Lebensphase zu versorgen. Dies war die ersten Monate komplett integriert in den Lebens- und Pflegebereich der Diakonissen. Zum November 2000 konnte dann das stationäre Hospiz in den Räumen des umgebauten Hauses in der Wendstraße 13 seinen Betrieb aufnehmen, Damals als zweites stationäres Hospiz in Sachsen-Anhalt.

Auf dem Stendaler Friedhof zeugt die geschützte Grabanlage des Mutterhauses von dem umfassenden Dienst und der starken Gemeinschaft dieser Frauen, die ein Leben lang den Dienst am Nächsten in den Mittelpunkt stellten.

Das Evangelische Hospiz Stendal und die inzwischen vielfältige ambulante Hospizarbeit in der Altmark sind ein lebendiges Zeichen der Diakonie als Lebensäußerung der evangelischen Kirche. Diese Arbeit weiß sich dem Geist der Diakonissen verpflichtet und ist dabei auch offen für Menschen, die kein religiöses Bekenntnis haben: Gemeinsam an der Seite der Sterbenden wirken im Hoffnungshorizont des Glaubens, dass kein Leben wirklich verloren geht. Die Stiftung ADM hat mit der Hospizarbeit einen Auftrag angenommen, der über das Wirken der Diakonissen hinausgeht und auf biblischer Basis gegründet ist.

Viele kleine Schritte

Gab es im stationären Hospiz zunächst nur sechs Betten, wurde das Haus Wendstraße im Jahr 2006 erweitert, um schließlich acht Gästen Platz zu bieten. Inzwischen hatte im Nebenhaus der ambulante Hospizdienst mit mehreren Koordinator*innen und stetig wachsender Zahl an Ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen Raum gefunden. Von Havelberg bis Oebisfelde, von Beetzendorf bis Tuchheim, von Arendsee bis Tangerhütte sind heute Ehrenamtliche aktiv. Im Jahr 2009 schloss die Stiftung zur Erbringung von SAPV-Leistungen einen Vertrag mit dem Verband der Ersatzkassen (VDEK). In einem gut strukturierten, wachsenden Netzwerk mit niedergelassenen Palliativmediziner*innen sowie in Kooperation mit zahlreichen Pflegediensten wird von hier die Palliativversorgung für zahlreiche Patienten in der gesamten Altmark organisiert. Seit 2014 ist Schwester Ramona Höppner-Nitsche zertifizierte Palliative-Care-Trainerin. Unter Einbindung verschiedenster Kompetenzen werden regelmäßig Kurse in Palliative-Care und Kurse für Pflegeeinrichtungen im Bereich Bildung angeboten.

Seit April 2015 ist der Ambulante Hospizdienst Gardelegen unter der Stiftung ADM tätig. Im April 2019 wurde mit der absolvierten Qualifikation einer ersten Mitarbeiterin der Aufbau eines Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes begonnen. Im Jahr 2020 erfolgte die Ausbildung einer weiteren Mitarbeiterin, und auf dieser Basis der entwickelten Kompetenzen ist nun ein Zweig aus beiden ambulanten Diensten gewachsen, um Familien altmarkweit zu unterstützen. Im März 2020 konnten in Gardelegen eigene Räume für den Ambulanten Hospizdienst Gardelegen sowie den altmarkweit tätigen Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst in Betrieb genommen werden.

Mehrere Mitarbeiter*innen haben inzwischen eine Trauerbegleiterausbildung abgeschlossen. Seit 2015 arbeitet der ambulante Hospizdienst eng zusammen mit weiteren Beteiligten im Trauernetzwerk und bietet regelmäßige Angebote für Trauernde, Kinder, Jugendliche und Erwachsene in verschiedenster Form an.

Unser Grundverständnis

„Was ihr einem der Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan,“ spricht Jesus Christus. Unter diesem Aspekt versuchen wir in der Hospizarbeit die Würde bis zuletzt zu wahren.
Wir versuchen, das Sterben als Teil des Lebens zu gestalten und vielfältige Beziehungen auch dann zu ermöglichen, wenn die Kräfte nachlassen. Wir versuchen, in der Trauer Halt zu geben. So ist unser Tun und Lassen geprägt von der Hoffnung, dass Gottes Liebe jedes Leben berührt und trägt. Ja, dass seine Liebe auch das trägt, was in unseren Augen sinnlos scheinen mag. In der Nachfolge Jesu Christi vertrauen wir darauf, dass Barmherzigkeit und Solidarität viele Wunden heilen kann.
Wir verstehen hospizliches Tun auch als gesellschaftlichen Auftrag, dem Sterben an allen Orten dieser Welt mit Würde zu begegnen und nach Möglichkeiten zu suchen, die Lebensqualität und Hoffnung, Geborgenheit und Individualität erhalten. Insofern gehören auch Bildungsaspekte wie „Hospiz macht Schule“,  „Letzte Hilfe“ oder fachliche Kurse wie „Palliative-Care“ zu unserem Programm.

Ev. Hospiz Stendal
Wendstraße 13
39576 Stendal

Tel.: (03931) 21 83 37
ramona.nitsche@hospiz-stendal.de

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Ihre Erfahrungsberichte dienen dazu, das Wirken eines Hospizes denjenigen näher zu bringen, die sich noch unschlüssig sind und gleichzeitig Berührungsängste und Vorurteile abzubauen.

Wir bedanken uns im Voraus bei Ihnen und sind gespannt auf Ihre Einträge im „Buch der Erinnerung“!

Ich glaube an die Sonne, auch wenn sie nicht scheint.
Ich glaube an die Liebe, auch wenn ich sie nicht spüre.
Ich glaube an Gott, auch wenn ich ihn nicht sehe.

(Inschrift an einer Wand im Warschauer Ghetto)

Unsere Kontaktdaten

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Wendstraße 13
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